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gutbegleitet

Die Geburt eines Kindes ist fast immer ein freudiges Ereignis. Manchmal bringt sie jedoch auch einige Herausforderungen mit sich. Vor allem Mütter und Väter in gesundheitlich, sozial oder finanziell belasteten Situationen können schnell mit der neuen Situation überfordert sein. Frühe Hilfen setzen, wie der Name schon sagt, frühzeitig an. Sie helfen, Belastungsfaktoren zu reduzieren und Traumatisierungen sowie Entwicklungsverzögerungen zu verhindern. Sie sind ein wichtiges Angebot zur umfassenden Gesundheitsförderung und wirken präventiv gegen Vernachlässigung, Missbrauch und Gewalt.

Seit Juni 2015 bietet die möwe in Wien gemeinsam mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) Frühe Hilfen unter dem Namen gutbegleitet an. Finanziert wird das Angebot aus Vorsorgemitteln der Bundesgesundheitsagentur und aus dem Wiener Gesundheitsförderungsfonds.

Nach einem erfolgreichen Start in drei Wiener Bezirken wurde gutbegleitet – Frühe Hilfen Wien auf die Bezirke 12 bis 19 & 23 ausgeweitet. Jährlich wird rund 300 Familien mit Kindern zwischen 0 und 3 Jahren eine gutbegleitet-Betreuerin zur Seite gestellt. Gemeinsam mit den Betroffenen werden die Anliegen besprochen und Lösungswege definiert. Je nach Situation steht die gutbegleitet-Familienbegleiterin der Familie über einen längeren Zeitraum als Ansprechperson zur Verfügung. Bei Bedarf vermittelt sie zu den zahlreichen Angeboten im Frühe Hilfen Netzwerk. Detaillierte Informationen über gutbegleitet finden Sie auf der Webseite: www.fruehehilfen.wien

Bild Überforderung

Ich bin nicht alleine

Ein Baby zu bekommen ist eine aufregende Sache! Die Freude ist groß und es gibt vor einer Geburt jede Menge Dinge zu erledigen. So war es auch bei Alina K. (Name geändert):

Gemeinsam mit ihrem Mann und dem 1 ½ jährigen Sohn freute sie sich auf ihr kleines Mädchen, das in nicht mehr ganz zwei Monaten auf die Welt kommen sollte.

Doch dann kam alles anders. Ihr Mann musste wegen nicht bezahlbarer Schulden eine Haft antreten und schnell war klar, dass sie am Geburtstermin ohne ihn würde auskommen müssen. Von einem Tag auf den anderen wuchs die Belastung von Alina: Da ihre Familie im Ausland lebte, war sie komplett auf sich allein gestellt und hatte darüber hinaus keinerlei finanzielle Reserven, auf die sie zurückgreifen konnte.

Vier Wochen vor der Geburt wurde im Spital eine Ärztin bei der Schwangerschaftsbetreuung auf den schlechten psychischen Zustand Alinas aufmerksam. Ein kurzes Gespräch machte klar, in welcher Notsituation sich die junge Frau befand. Mit ihrem Einverständnis wurde Kontakt zu den Frühen Hilfen hergestellt und Alina K. erhielt schon ein paar Tage später Besuch von zwei gutbegleitet – Familienbegleiterinnen. Mittlerweile war sie nur noch schwer in der Lage, ihren kleinen Sohn zu versorgen. Die Ängste und Sorgen machten ihr sowohl psychisch als auch körperlich sehr zu schaffen. Wie gut, dass jetzt jemand da war, der ihr in der Krise Begleitung und Sicherheit geben konnte.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass sich Alina K. für ihre Situation schämte. Deshalb hatte sie nicht einmal ihre nächsten Angehörigen kontaktiert. Ermutigt durch das Gespräch erzählte sie ihrer Mutter am Telefon von der schwierigen Situation. Daraufhin reiste diese aus dem Ausland an um ihr zu helfen. Nun konnte sich Alina mit Unterstützung der Familienbegleiterin wieder ganz auf sich und die immer näher kommende Geburt konzentrieren.I

Die finanzielle Situation der kleinen Familie war mehr als angespannt und die Delogierung aus der Wohnung stand im Raum. Deshalb wurden im Hintergrund von den Familienbegleiterinnen Informationen und konkrete Hilfen eingeholt. Aus einem Notfalltopf und mit Unterstützung einer Pfarrgemeinde konnten die ausständigen 3 Monatsmieten sowie Geld für die tägliche Versorgung aufgebracht werden. Um auch für die Zukunft bis zur Entlassung des Mannes die Grundversorgung sicherzustellen, unterstützen die Sozialarbeiterinnen im gutbegleitet-Team Alina noch bei einigen Behördenwegen.

Die Situation von Alina K. ist auch nach der Geburt der kleinen Emily noch nicht rosig. Dennoch kann sie die Zeit mit ihren beiden kleinen Kindern wieder ein wenig genießen. Bis sie wieder gut alleine zurechtkommt, wird sie weiter regelmäßig von der Familienbegleiterin besucht. Vor ein paar Wochen

hat sie beim Baby-Treff in der möwe andere Mütter in ähnlichen Situationen kennengelernt.

Das Frühe Hilfen - Netzwerk

Es gibt in Wien eine Vielzahl an Angeboten für Kinder und Eltern bezogen auf die frühe Kindheit. Diese erreichen aber oft nicht jene Familien, die eine Unterstützung am dringendsten und notwendigsten brauchen würden und sind nicht ausreichend untereinander vernetzt. Im Frühe-Hilfen-Netzwerk werden diese multiprofessionellen Angebote zusammengeführt. So wird die Kooperation aller Helfer*innensysteme und die passgenaue gegenseitigeVermittlung erleichtert. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Perspektivenerweiterung durch die Zusammenarbeit  verschiedenster Berufsgruppen und die Entlastung der einzelnen Hilfsysteme. 

Das Netzwerkmanagement kümmert sich um Aufbau und Erweiterung des Netzwerks, es schafft Raum und Zeit für koordinierten Austausch und verbessert die Kooperation der einzelnen Angebote an die Zielgruppen. Dazu organisiert das Netzwerkmanagement regelmäßige Vernetzungstreffen (Runde Tische, Fachtagungen) und erstellt unter anderem eine Liste der einzelnen Angebote mit den genauen Koordinaten dazu. Die Liste wird dem gesamten Netzwerk zur Verfügung gestellt und laufend gepflegt und aktualisiert. Geplant ist eine Online-Plattform für verbesserte Praktikabilität.

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